Wappen und Motive von Eussenheim

Die Glocken von Eußenheim und ihre Geschichte

1. Eine Glocke für die Pfarrkirche Eußenheim, welche ?
2. Glockenweihe am 20.1.1950

Seit vielen Jahren erklingen in Eußenheim die Glocken. Wann es das erste Mal war ist nicht mehr mit Bestimmtheit zu ermitteln. Die ehemalige Lehrerin in Eußenheim Frau Maria Lang schreibt in ihren Aufzeichnungen unter der Überschrift „Die Glocken“ (Pfarrei und Pfarrkirche; Lehrerbücherei Eußenheim Nr. 426, Seite 16) „Die Dorfmeisterrechnung 1612 bringt den Eintrag:... für Arbeiten an den Glocken bezahlt. Die Glocken der 1450 erbauten Pfarrkirche zerstörte der Brand 1615. Die wiederaufgebaute Pfarrkirche erhielt neue Glocken. Der Dorfmeisterrechnung von 1617 ist entnommen: 30 fl (Florentiner=Gulden) 2 lb (libra=Pfund) 24 dn (denarius=Pfennig) dem Glockengießer 2 Glocken zu gießen als Lohn. Ferner 1 fl 6 lb 6 dn einem Bauern, die Glocken in Würzburg abgeholt, für Kost und Besoldung geben. Beim Turmbrand 1640 mögen beide, evtl. auch nur eine, zerstört worden sein. Im Bruderschaftsbuch der Mariä Opferungsbruderschaft findet sich die Notiz: In diesem Jahre, 1642, ist die große Glocke wieder gegossen worden. ..... Die Glocke wog 920 kg, Durchmesser 1,16 m. Nach der Dorfmeisterrechnung 1756 wurde eine Glocke erworben, die 325 kg wog und 81 cm Durchmesser hatte. ...... Die Gemeinderechnung von 1831 berichtet vom Kauf einer Glocke 50 kg schwer. .......

Die kleinste Glocke musste im 1. Weltkrieg abgeliefert werden. Die beiden anderen holten, von der nationalsozialistischen Staatsführung beauftragte Männer, am Tage der Ewigen Anbetung (6.2.)1942 mit brutaler Gewalt vom Turm. Genau 300 Jahre hatte die große Glocke den Menschen gedient und das Lob Gottes gekündet, um nun irgendwo zerschlagen und als Vernichtungswaffe eingesetzt zu werden. Die gewaltsame Entführung der Glocken schmerzte tief den damaligen Pfarrer Valentin Böhm und seine Gemeinde.

Neue Glocken: Die Firma Hamm, Regensburg lieferte 4 Glocken am 5.1.1950.

Die große Glocke, die Herz Jesu Glocke, 1.000 kg schwer, 119 cm Durchmesser. Inschrift: Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser. Ton E.

Die 2. Glocke, die Marien Glocke, 700 kg schwer, 105,5 cm Durchmesser. Inschrift: O Maria, beschütze Eußenheim. Ton Fis.

Die 3. Glocke, die Petrus- und Marcellinusglocke, 400 kg schwer, 89 cm Durchmesser. Inschrift: Hll. Petrus und Marcellinus bittet für uns. Ton A.

4. Glocke: Sie ist dem hl. Josef geweiht. 350 kg schwer, Durchmesser 84 cm. Inschrift: Heiliger Josef, bitte für uns. Ton H.

Die beiden Zimmerleute Alois Lehofer und Matthias Eberhard, Heimatvertriebene aus Ungarn, errichteten den Glockenstuhl. Domkapitular Dr. Th. Kramer aus Würzburg weihte die Glocken am 20.1.1950.”

An anderer Stelle (Pfarrei und Pfarrkirche; Lehrerbücherei Eußenheim Nr. 426), Seite 13) schreibt Frau Maria Lang: Das Bruderschaftsbuch der Mariä Opferungsbruderschaft enthält den Eintrag: Den nächsten Tag nach S. Chiliani 1640 ist wegen eines Wetterschlags der Kirchturm abgebrannt, Glocken und Uhr verdorben. Zur Erneuerung haben Bruderschaftsmitglieder beigesteuert, darunter auch der Edle Herr Wilhelm Pfenning. Er vermachte zur Reparatur des Turms 200 gültens Thlrs.

Auf Seite 23 schreibt Frau Maria Lang über das Wetterläuten: Das Vertrauen in die Kraft der Glocken kommt zum Ausdruck im Wetterläuten. „Der Glaube, dass die geweihte Glocke das Wetter vertreiben kann, setzt die Ansicht voraus, dass in der schädigenden Witterungserscheinung...bösartige dämonische Kräfte wirksam sind, die auf die Abwehrkraft der Glocken reagieren.“ Kramer S. 125.

Etwas weiter im Text heißt es: Dem Türmer wird Brot und Wein verehrt, als er gegen Gewitter geläutet hat, Dorfmeisterrechnung 1602. Türmer und Nachbarn erhalten Brot und Wein so des mayen hindurch wegen Kälte zunacht geläut haben. Dorfmeisterrechnung 1668. 4 lb und 2 dn für Weißbrot abgeben für Läuten in etlichen Nächten und bei viel Gewittern. 1lb 6 dn sind dabei für Lichter aufgangen, Dorfmeisterrechnung 1694. Soweit die Aufzeichnungen von Frau Maria Lang.

In der Chronik „Eußenheim Vergangenheit und Gegenwart eines typisch fränkischen Dorfes“ schreibt Tanja Schaub-Gütling in einem eigenen Abschnitt (9.3.4.1 Glocken – die Stimme der Pfarrkirche; ab Seite 207) ausführlich über die Glocken von Eußenheim. Neben der Bestätigung der vorstehenden Ausführungen sind dort noch weiter gehende Ausführungen zu finden. Außerdem wird von ihr im Abschnitt 4.2.2.4 über das Aufgabengebiet des Türmers berichtet. Dort ist zu lesen, dass ab dem Jahr 1665 der Türmer für das Säubern und Ölen der Kirchuhr, sowie das Läuten zuständig war. Neben dem täglichen Bedienen der Kirchturmglocken, mussten die Glocken auch zu bestimmten Anlässen geläutet werden. Für seine Bemühungen bei Gewitter- Mai- und Walburgisläuten erhielt der Türmer von der Gemeinde 6/8 Eimer 5 Maß Wein und Brot.

Bis zum Jahre 1973 wurden die Glocken in Eußenheim mit der Hand geläutet. Dazu gab es einen eigenen Läuteraum im Kirchturm. Durch ein Fenster konnte der Glöckner in den Chorraum der Kirche sehen und den Fortgang des Gottesdienstes verfolgen um zur rechten Zeit zum Evangelium und zur Wandlung zu läuten. Geläutet wurde täglich um 6 Uhr zum Ave Maria, um 11 Uhr und um 12 Uhr und nochmals abends am 18 Uhr. Das Abendleuten war meist das Signal für die Kinder nach Hause zu kommen. Zu den Kirchgängen wurde 3 mal alle Viertelstunde vor dem Gottesdienst geläutet. Außerdem wurde Freitags um 15 Uhr und Samstags um 14 Uhr geläutet. Der letzte Glöckner von Eußenheim war der am 28.9.1973 verstorbene Josef Ruppert (Jofferle) der am Kirchberg gewohnt hat. Zu den Leutzeiten mußte er, da er als Bauer tätig war, aber teilweise auch vom Feld nach Hause laufen um rechtzeitig die Glocken zu läuten.

Wenn jemand aus dem Dorf verstirbt, dann wird dies auch über die Glocken bekannt gegeben. Dazu wird zunächst mit der kleinen Glocke geläutet (das so genannte Totenglöcklein), und dann mit allen Glocken "zusammengeschlagen".

Nach dem Tod des letzten Glöckners wurde in die Pfarrkirche von Eußenheim ein elektrisches Läutewerk eingebaut. Seitdem werden die Läutezeiten automatisch eingehalten.

Zusammengestellt von B. Höfling

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