Wappen und Motive von Eussenheim

Der Weinbau in Eußenheim

Gedenkstein zur Weinbergsbereinigung, fotografiert von B.Höfling am 20.01.2011.
Text auf dem Gedenkstein: Weinbergsflurbereinigung 1976, First Eußenheim, daneben das alte Wappen der Gemeinde Eußenheim mit dem fränischen Rechen und den drei Heußlein Rosen.
Die Weinbergslage "Eußenheimer First"; fortografiert von B. Höfling am 31.08.2010.
Das erste Hinweisschild auf den Weinort Eußenheim, aus einem ungewöhnlich gewachsenen Baum gefertigt.
Der fröhliche Zecher am Ortseingang von Eußenheim, mit einem großen Weinfaß.

Die nachfolgenden Ausführungen sind Aufzeichnungen von Frau Maria Lang entnommen, die viele Jahre in Eußenheim als Lehrerin tätig war. Ihre Aufzeichnungen mit dem Titel „Eußenheim – Geschichte eines Dorfes“ werden in der Gemeinde Eußenheim aufbewahrt.

Sie schreibt über den Weinbau in Eußenheim:

In der ausgehenden Merowingerzeit dürfte die Rebe, ostwärts vom Rhein herkommend, den Weg ins fränkische Land gefunden haben. Urkunden aus den ersten Jahrzehnten der Karolingerzeit erwähnen den Weinbau schon häufiger. 770 erhält Fulda u.a. Halsheim an der Wern mit Weinbergen, 779 wird der Weinbau in Würzburg genannt. 816 nennt eine Urkunde Weinbau in Stetten a.d.Wern. 889 solchen in Binsfeld. Es ist anzunehmen, daß um diese Zeit auch Eußenheim Weinberge hatte. Um 1150 erwähnt eine Urkunde den Weingarten des Sibito von Eußenheim und seines Sohnes Heinrich im Multal (Flurname "Mültlein"). (Aus: Mainfränk. Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Band 86).

Aus „Hoffmann Herman, Urkundenregesten zur Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Himmelspforten 1231-1400 (UZHi)“:

Nr. 9: Die Untertanen des Bischofs in Eußenheim ... sind gezwungen...46 Joch Weinberge zuverkaufen.

Nr. 107: Die Begine,..schenkt der Äbtissin und den Nonnen von Himmelspforten einen Weinberg am Billenberg.

Das renovierte Zinsbuch der Eußenheimer Frühmessstiftung 1755 nennt Weinberge in folgenden Flurlagen: Diebsgrund - Entsberg - Säbig - Kirchberg - Hinter der Kirche - Gerberstal - Neuenberg - Sternth - Hinterm Dorf - Am Schönarts - Röthlein - Appental - Guckenmürrlein - Am Rednerts - Winterleiten - Loohe - Hinter dem Turm - Steinlein - Unerstal - First - Mültlein - Geißberg - Schleifen - Käpflein. Außerdem trugen folgende Flurstücke Weinberge: Hamel - Kirchberg - First.

In den UZHi. und im Zinsbuch der Frühmessstiftung finden sich die Bezeichnungen Weinberg, Weingarten (Weingart) und Weinwuchs. Nur die Hänge tragen Rebstöcke, die Ebene nicht. Lutz sagt dazu: Die Kalkberge saugen die Sonnenwärme in weitaus höherem Maße auf als andere Gesteinsformationen. Wie ein Heizkörper strahlen sie nachts die gespeicherte Wärme wieder aus. Die oft steilen Hänge waren in zahlreiche Einzelwengerte aufgeteilt. Viele Trocken- oder Stützmauern nahmen den Steilhängen das starke Gefälle und gliederten mit durchziehenden Wegen klar und bestimmt das Gelände. Die Trockenmauern waren ebenso kunstvoll gebaut wie die Steinrücken, die "Schteerütscha", das sind Halden aus Lesesteinen. Sie wurden seitlich mit Steinen abgestützt und bildeten so keine Gefahr für das Rebland. Jeder Bauer in Eußenheim war ein Häcker. Zur Hofried gehörte das Kelterhaus, in dem die Holzkelter stand und ein tief gelegener und gewölbter Weinkeller. Der Keller Hs.Nr. 86 in der Langgasse trägt die Jahreszahl 1621. Der Wein war Volksgetränk. Geringe Ernten gab es häufiger als gute.

Die Arbeit im Weinberg: Im Spätherbst wurden die Eichenpfähle aus dem Boden gezogen und auf dem Weinberg in einem Haufen zusammengestellt. Um den Rebstock vor winterlichem Frost zu schützen, legte ihn der Häcker auf den Boden und bedeckte ihn mit 2 "Schübeln“ Erde. Im Frühjahr nahm er die Erde wieder vom Fruchtknochen weg und schnitt mit viel Überlegung die überschüssigen Rebzweige ab. Langjährige Erfahrung gab Sicherheit im Schneiden. Die abgeschnittenen Reiser wurden zu Wellen gebunden. Jetzt steckte der Häcker die Pfähle. (Diese schnitt der Bauer aus Eichenstämmehen und rauhte sie etwas an). Ein Austräger reichte die Pfähle dem Bauern zu. Dieser drückte sie fest mit der Hand und dem am Fuß befestigten Pfahleisen in den Boden. Die "Bandli", dünne Weidenruten, dienten zum Anbinden. Mit dieser Arbeit wartete jedoch der Häcker bis die Eishiligen Eankraz, Servaz und Bonifaz, 12., 15., 14. Mai, vorüber waren. Die freie, sich im Wind bewegende Rebe, friert weniger leicht als die angebundene, starre. Dennoch richten Fröste Schaden an. Im engen Werntal ist allgemein die Frostgefahr größer als im breiten Maintal. Im Laufe des Frühjahrs mußte der Weinberg mehrmals bearbeitet und mit dem zweizinkigen Karst gehackt werden. Nach der Blüte wurden die Wasserschosse ausgegeizt (ausgebrochen). Alle 3 Jahre kam Mist in den Weinberg. Die Fuhre blieb am Wege stehen. Mit Huckelkörben und Schänzen trugen Männer und Frauen den Dung aus. Starke Regengüsse schwemmten gute Erde, den "Hackschlag" an die untere Weinbergsmauer. Mit Schänzen wurde sie hochgetragen, alle zwei Jahre.

Nahte die Lese, so durchstreiften die Hüter die Weinberge. Nach der Dorfmeisterrechnung 1699 wurden 2 Spieße den Hütern bezahlt. Um 1776 hat das Traubenstehlen so überhandgenommen, daß laut RGB. jeder Einwohner um 8 Uhr abends zuhause sein mußte. Unwetter richten Schaden an, wie aus der Dorfmeisterrechnung 1759 zu ersehen ist: 2 lb 17 dn denen, welche die Trauben wegen.des Kieselwetters besichtigt haben. Auch Tiere schaden den Weinbergen, die Amseln und Stare. Sie picken nur die Beeren an. Sie fallen dann ab. "Böiwl" (Vogelscheuchen) sollten die Vögel am Einflug hindern und das Schießen der Weinbergshüter sollte sie verjagen. Dorfmeisterrechnung 1759: Für 1 lb 5 dn Sehrot denen, so die Trauben gehütet. Am amtlich fest gesetzten Lesetag fuhren die Bauernfuhrwerke, mit Kufen, Butten und Eimern beladen, zu den Weinbergen. Die Leser und Leserinnen leerten die mit Trauben gefüllten Eimer in die Butten — 5 Eimer füllten-eine Butte. Die vollen Butten wurden in die Kufen (auf dem Wagen) geleert. Gegabelte Stöcke, die "Möster“, lagen bereit, um damit die Trauben in den Kufen zu zerdrücken. Den Inhalt der Kufe nannte man "Knötschwein". Auf dem Heimweg durfte keiner verloren gehen: man füllte die Kufen nur 5/4 voll und belegte sie mit Säcken und Decken.

Die Kelter bestand in allen Teilen aus Eichenholz. Das "Bied" (Kelterkasten) nahm die zerquetschten Träubel, "s' Gemöist" auf. Es wurde mit starken Eichenbohlen abgedeckt. Ein Querholz trug das Gewinde für die Spindel (Holzschraube). Mit einer starken Eichenstange, in Löcher gesteckt, wurde die  Spindel angezogen. Ein "Bied" faßt 10 hl "Gemöist". Einen Tag lang preßte man den Inhalt einer Kelter aus. Die Trester wurden gewässert und nochmals gepresst. Den Nachmost nannte man Hausmost oder "Läuerer“. Zu Beginn des 19. Jh. ging der Weinbau stark zurück. Die breite Volksmasse wandte sich mehr dem Bierkonsum zu: Frankenbräu Karlstadt, gegr. 179o; Schloßbrauerei Thüngen, gegr. 1846, Dazu kam für Franken in den Jahren 1880-1900 eine Reihe bisher nicht gekannter Rebkrankheiten und Weinbergsschädlinge, 1880 trat erstmals die Peronospera auf, 1884 der Mehltau und 1900 die Reblausplage. Die Bekämpfung der Krankheiten verschlang eine Menge Geld. Mengen- und gütemäßig schlechte Ernten nährten die Mutlosigkeit der Bauern noch weiter, Weinberge zu unterhalten. Um das Jahr 1900 setzte in Eußenheim ein großes Weinbergssterben ein. 1965 hat der Entsberg nur noch Weinberge, First und Hamel etwa 10 Stück.

Soweit die Ausführungen von Frau Lang

 

Dass der Weinbau in Eußenheim eine lange Tradition hat, zeigt sich auch darin, dass der 1892 gegründete Obstbaumzuchtverein zum 1.2.1893 in Obst- und Weinbauverein Eußenheim umbenannt wurde und nun auch die Pflege des Weinbaus als Vereinsziel hatte.

Aber erst mit der Flurbereinigung in den 1970er Jahren erlebte der Weinbau in Eußenheim einen neuen Aufschwung. Der Neuanlage der Weinlage „First“ im Jahre 1973 folgte bereits 1978 die Lage „Redhardt“ und brachte damit Eußenheim seine ursprüngliche Bedeutung als Weinort zurück. Seit 1982 steht am Ortseingang von Eußenheim (wenn man aus Richtung Karlstadt kommt) ein Hinweisschild das auf Eußenheim als Weinort hinweist. Es wurde aus einem ungewöhnlich gewachsenen Baum gefertigt. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde das Hinweisschild durch den „Eußenheimer Zecher“ ersetzt. Die Bronzefigur wurde vom Künstler Theo Steinbrenner geschaffen.

Heute hat die Arbeit im Weinberg nichts mehr mit dem zu tun, was Frau Lang in ihren Ausführungen beschrieben hat. Die Reben werden in so genannten Drahtanlagen gezogen. Die Arbeit wird vielfach mit Maschinen gemacht. Die Trauben werden teilweise mit dem Vollernter gelesen und bei der Winzergenossenschaft abgeliefert, die sich um den Ausbau und die Vermarktung des Weines kümmert. Trotzdem ist die Arbeit im Weinberg noch immer beschwerlich und aufwändig. Man sagt: „Ein guter Weinberg will jeden Tag seinen Herrn sehen“.

In der Chronik „Eußenheim Vergangenheit und Gegenwart eines typisch fränkischen Dorfes“ schreibt Tanja Schaub-Gütling in einem eigenen Abschnitt (6.1.2. Weinbau in Eußenheim; ab Seite 132) ausführlich über den Weinbau in Eußenheim. Neben der Bestätigung der vorstehenden Ausführungen sind dort noch weitergehende Ausführungen zu finden. Außerdem wird von ihr im Abschnitt 12.2.2 über das segensreiche Wirken der Winzergemeinschaft Eußenheim, nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die Dorfgemeinschaft Eußenheim, berichtet. Von den vielen guten Taten der Winzergemeinschaft sei hier nur erwähnt, dass die Installation und die laufenden Kosten der Kirchenbeleuchtung von ihr übernommen werden. Die Winzergemeinschaft richtet seit 1978 auch das jährlich am letzten Wochenende im August stattfindende Straßenweinfest in der Langgasse aus, das mittlerweile aus dem Ortsgeschehen nicht mehr wegzudenken ist und regelmäßig viele Gäste nach Eußenheim führt. Bilder von den Weinfesten 1978 und 1981 sind auf der Seite „Bildersammlungen – Feste und Feiern“  und bei "Bilder der Familie Werner Keller" zu sehen.

Zusammengestellt von B. Höfling.

 

zum Seitenanfang

- Dorfgemeinschaft Eussenheim -