Wappen und Motive von Eussenheim

Das Rappeln in der Karwoche

Die Rappelgruppen des Jahres 2011 mit ihren Rappeln.

Viele Bräuche die im Laufe eines Jahres in Eußenheim aufleben haben ihren Ursprung im christlichen Glauben.

Die Fastenzeit endet in der Karwoche, die der Vorbereitung auf das folgende Osterfest dient. Ein Brauch der sich über die ganzen Jahre gehalten hat ist das „Rappeln“ in der Zeit von Gründonnerstag bis Karsamstag.

Tanja Gütling schreibt in ihrem Buch: Münster, das Leben in einer dörflichen Gemeinschaft im Wandel der Jahrhunderte 1994, Seite 137: „Zum Zeichen der Trauer über den Tod Jesu Christi verstummen am Gründonnerstag in der Abendmahlsmesse nach dem Gloria die Kirchenglocken. Einer Legende nach „fliegen an diesem Tag die Glocken nach Rom und betrauern dort den Tod Christi. Sie verlassen ihre Glockentürme, um den Segen des Papstes zu empfangen. Erst zur Osternachtsfeier kehren sie in die Kirche zurück und verkünden im vollen jubelnden Geläut die Auferstehung des Herrn. Bis dahin übernehmen sogenannte „Ratschen“ oder „Klappern“ die Aufgabe der Glocken“.

Auch in Eußenheim wird dieser Brauch über die Jahre aufrecht erhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten in denen jeder der Ministranten eine eigene Ratsche oder Klapper hat, sind in Eußenheim große Rappeln vorhanden, die von 2 Ministranten getragen werden. Von einem dritten wird die Kurbel gedreht mit der die Rappel in Funktion gesetzt wird. Sie werden von Generation zu Generation weiter vererbt, bis sie erneuert werden müssen. In mehreren Gruppen ziehen die Ministranten durch das Dorf um durch den Lärm zum Gottesdienstbesuch oder zum Gebet aufzufordern. Es wird berichtet, dass um 1900 die Rappler an den vier Prozessionsaltären im Dorf den sogenannten Englischen Gruß gebetet haben. Heute werden Verse gesungen die seit Jahrzehnten überliefert sind. Sie lauten wie folgt:

Freitag 6 Uhr:
Die Nacht war schauerlich und lang,
ein Kruzifike laut erklang.
O Christ denk heut an deinen Gott!
Und treibe nicht mit Heilgem Spott!

Freitag 12 Uhr:
In dieser Stunde Christ gib acht!
Der Herr den Kreuzweg hat vollbracht.
So werde still und bete an!
Der Herr hat dies für dich getan.

Freitag 14 Uhr:
Wir machen euch jetzt allen kund,
um drei Uhr war die Todesstund.
Drum Christen eilt zur Kirche hin,
und feiert sie mit frommen Sinn!

Freitag 18 Uhr:
lm Felsengrabe ruht der Herr.
Die Nacht legt ihren Schleier schwer.
Vernichtet ist die Sünde heut,
drum atme auf, du Christenheit.

Samstag 6 Uhr:
Vorüber ist die eine Nacht,
die Jesus in dem Grab verbracht.
Es bricht schon an der neue Tag,
der Licht und Leben bringen mag.

Samstag 12 Uhr:
Das Leben ist noch eingeschlossen,
in dem Grab auf Golgotha.
Doch es dürfen alle hoffen,
bald steht er als Sieger da.

Am Karsamstag gehen die Rappler von Haus zu Haus um ihren Rappellohn einzufordern. Früher wurden zwei bis drei Eier pro Familie gegeben, die dann unter den Ministranten aufgeteilt wurden. Dabei bedienten sich die älteren Ministranten mit wesentlich mehr Eiern, als den jüngeren Ministranten zugestanden wurden. Gelegentlich kam es bei der Verteilung zum Eklat, indem die jüngeren ihre wenigen Eier den älteren um die Ohren warfen.

Heute wird statt der Eier in erster Linie Geld den Ministranten gegeben.

Über viele Jahre hielt sich auch der Brauch, dass am Ostersamstag ein Judasfeuer angezündet wurde. Früher, als es noch keine Müllabfuhr gab, wurden die Kränze und verdorrten Grabgestecke von Friedhof auf dem „Dornerplatz“ (der Platz an dem jetzt der neue Friedhof ist) gelagert und entsorgt. Die Ministranten schichteten diese Kränze auf und entzündeten sie an. Gelegentlich wurde auch eine Strohpuppe mit verbrannt.

Zusammengestellt von B. Höfling

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